Vor Babel

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Beschreibung

Friedrich Weinreb. "Vor Babel."
Die Welt der Ursprache
Aus dem Niederländischen von
Konrad Dietzfelbinger
Reihe WEINREB TONTEXT BIBLIOTHEK
440 Seiten mit 58 Abb. Kartoniert.
Format 21 x 30 cm. ISBN 3-88411-047-0

Weinrebs ausführlicher Einführungskurs in das biblische Hebräisch aus den Jahren 1966/1967 behandelt zugleich die verborgenen Tiefenschichten jeder Sprache und allen Sprechens. Die Formwerdung der 22 Buchstaben veranschaulichen zahlreiche Abbildungen. Die Fülle der vom Autor behandelten biblischen Erzählungen, Symbole, hebräischen Begriffe, religiösen Feste und Bräuche sind durch vier Register erschlossen: Personen und Sachen, Zahlen, hebräische Wörter, Bibelstellen.

Wir leben in einer Zeit, die uns das Schreibzeug aus den Händen nimmt. Buchstaben, Worte und Sätze werden im Niemandsland, das unter Spannung steht, erzeugt. Punktegruppierungen im Einerlei ei­nes in unendliche Punkte zerstäubten Universums leihen den Buchstaben flüchtige, unruhig flimmern­de Formen auf dem Bildschirm. Die Sprache erfolg­reich ins technische Spielfeld abgelenkt: Ersetzen, verändern, löschen... Vordenker in Kultur, Politik und Wirtschaft verfertigen unermüdlich Prototy­pen sprachlicher Versatzstücke, die durch die Medi­en in Serie gehen und als Gerede im allgemeinen Sprachgebrauch versanden. Halb zieht sie uns mit im Sog, halb stürzen wir uns entgeistert in die Bran­dung: die Flutwelle der Informationen, der morgen schon ihres Inhalts entleerten Botschaften ist allge­genwärtig. Das ist die Zeit, dem Lärm des Geredes den Rücken zu kehren. Es ist die Zeit, sich der >schwei­genden Stimme< zu erinnern, die um Gehör bittet, unaufdringlich, seit jeher. Es ist jenes Sprechen im Schweigen, das die Welt und den Menschen ins Da­sein ruft, ins Sein. Alle Wörter gründen im Wort, al­le Sprachen im Sprechen des Anfangs. Alles Körper­liche, sagen die Alten, hat der Mensch von der Erde, aber das Sprachvermögen hat er vom Himmel. Diesen Wort-Schatz in Erinnerung zu rufen, ist Friedrich Weinrebs Lebensaufgabe geworden, seit er schon in jungen Jahren die Überraschung erleb­te, >für den Himmel<, wie er in seiner Autobiogra­phie schreibt, sprechen zu können. Das Thema >Sprache< und >Sprechen< braucht den Sprecher, die sprechende Person. Wer über Sprache spricht, macht sich selbst, macht sein Menschsein zum Thema. Das ist nicht zu trennen. Wer es dennoch trennen will, macht sein Abge­trenntsein zum Thema. Wer >für den Himmel< spricht, lebt, während er spricht, im Zusammenhang, von dem er spricht. Und so fällt alles ein oder steigt alles aus den Tiefen des Innern auf. Dann schenkt sich die Sprache, un­erschöpflich. Das kann nicht ohne Einfluß auf den Hörer blei­ben, an dessen Stelle hier der Leser tritt. Der näm­lich entdeckt dabei staunend sein Sprach-Vermö­gen. Die Sprachen, in denen sein Leben so verwir­rend vielstimmig spricht, finden ihr Gegenüber im Wort, das von der Einheit erzählt. Das ist der Trost, der kommt, wenn das Leben selbst sprechend wird. Was es in der Hingabe weiß, was es im Empfängli­chen an Wissen hervorruft, geschieht im Geheimnis der Beziehung. Davon nährt sich Friedrich Wein­rebs Sprechen, und daraus erwächst dem Leser Einsicht.

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